EU-Sozialversicherung / Homeoffice Grenzgänger

Homeoffice - Etwaige Auswirkungen auf die Sozialversicherung in Luxemburg?

Nach der im Juli 2020 mit Belgien, Deutschland und Frankreich getroffenen Vereinbarung, die Ausnahmebestimmung beizubehalten, Homeoffice im Zusammenhang mit dem Coronavirus bei der Bestimmung der für Grenzgänger geltenden Sozialversicherungsgesetzgebung nicht zu berücksichtigen, haben Luxemburg und seine drei Nachbarländer vereinbart, diese Ausnahmeregelung bis zum 31. Dezember 2020 zu verlängern.

Konkret bedeutet dies, dass ein Grenzgänger, der seine Arbeit von zu Hause aus verrichtet, bis Ende 2020 weiterhin an das luxemburgische Sozialversicherungssystem angeschlossen bleibt.

In der Tat kann die Arbeit aus dem Heimatland von Grenzgängern Auswirkungen auf ihre Zugehörigkeit zur sozialen Sicherheit gemäß den Bestimmungen der europäischen Gesetzgebung über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit der Mitgliedstaaten haben. Romain Schneider, Minister für soziale Sicherheit, hatte sich daher zu Beginn der Krise mit seinen belgischen, deutschen und französischen Amtskollegen in Verbindung gesetzt, um eine Einigung zu erzielen, um einen Wechsel der Mitgliedschaft zu vermeiden, falls die in der europäischen Gesetzgebung vorgesehene Schwelle von 25% für die betroffenen Arbeitnehmer und Arbeitgeber überschritten wird.

(Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für soziale Sicherheit

Bedingt durch den Corona-Virus sind viele Arbeitnehmer im Homeoffice – darunter auch viele Grenzgänger. Hier stellt sich die Frage: „Hat Homeoffice einen Impakt auf die luxemburgische Sozialversicherung?“

Der große Unterschied zwischen den Steuer- und den Sozialrecht ist, dass das Steuerrecht auf Basis eines Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) zwischen zwei Ländern aufgeteilt werden kann. Beim Sozialrecht wird eine europäische Verordnung 883/2004 bzw. Verordnung 987/2009 sieht zwei Situationen vor, in denen eine Person ihre berufliche Tätigkeit in zwei oder mehreren Staaten ausübt:

  • Entweder übt die Person einen wesentlichen Teil Ihrer Tätigkeit in dem Mitgliedstaat aus, in dem sie wohnt. In diesem Fall ist sie der Gesetzgebung des Wohnsitzstaates unterworfen.
  • Die Person übt nicht einen erheblichen Teil Ihrer Aktivität in ihrem Wohnsitzland aus.

 

Was bedeutet dies konkret?

Lt. Artikel 13 Punkt 8 Abs. wird im Rahmen einer Gesamtbewertung bei den genannten Kriterien ein Anteil von weniger als 25 % erreicht, so ist dies ein Anzeichen dafür, dass ein wesentlicher Teil der Tätigkeit nicht in dem entsprechenden Mitgliedstaat ausgeübt wird.

Konkret bedeutet dies 55 Arbeitstage von üblicherweise 220 Arbeitstagen. Bei einer 40-Stundenwoche wäre hier nach 11 Wochen Homeoffice die Grenze überschritten. Sollten bei Grenzgänger Homeoffice ohnehin schon eingeplannt gewesen sein, wird die Grenze in jedem Fall überschritten.

Andere Grenzgänger haben vielleicht ohnehin schon mit Außendienst kalkuliert, um diese Grenze nicht zu überschreiten. Jetzt kommen die Homeoffice-Tage dazu und die Grenze wird in jedem Fall überschritten